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Design wird sichtbar: Von Potentialen, Perspektiven und Chancen für die Stadtentwicklung
1980 fand in Linz das Forum Design statt – ein Meilenstein in der Linzer Designgeschichte, und immer noch gegenwärtig genug um der Kulturhauptstadt Linz09 eine Ausstellung wert zu sein. International und in Fachkreisen gefeiert und diskutiert, brachte dieses Event regional nicht den erhofften Schub sondern hinterließ einen ambivalenten Eindruck.Wie hat sich die regionale Designszene seit damals entwickelt? Welchen Stellenwert hat Design für die Stadtentwicklung in Linz und den Wirtschaftsraum Oberösterreich? Welche Chance hat dieses Thema überhaupt noch 30 Jahre danach?
Linz und Oberösterreich haben eine langjährige Tradition im Bereich Design, die nicht erst mit dem viel zitierten Forum Design der 80er Jahre beginnt. Seit den frühen 70er Jahren wird an der Kunstuniversität Linz bereits auf Industrial Design gesetzt, trotzdem konnte sich Linz nie wirklich als Stadt des Designs positionieren.
Die Wirtschaft freilich erkannte bald die Vorteile guten Designs, langjährige Partnerschaften mit Linzer Designbüros und viele preisgekrönte Produkten bezeugen dies.
Während oberösterreichische Unternehmen sich international einen Namen machten und die Produkte oberösterreichische Designer weithin bekannt sind, traten die oberösterreichischen Designer aber kaum ins Rampenlicht.
Nicht zuletzt ist das einer der Gründe warum sich das Designforum Linz formiert hat um das Thema Design und dessen Akteure auf die Bühne zu stellen und für die gebührende Aufmerksamkeit zu sorgen.
Im nationalen Vergleich sehen sich die regionalen Kreativen in einer Sandwichposition zwischen zwei städtischen Schwergewichten mit kulturellem Weltruhm: im Osten die Großstadtmetropole Wien, im Westen die Festspielstadt Salzburg. Keine einfachen Rahmenbedingungen - wie kann man auf diesen wenigen Kilometern Distanz eine dritte Stadt kulturell positionieren?
Mit der Ars Electronica ist Linz dieses Kunststück gelungen: seit mehr als zwei Jahrzehnten steht Linz für digitale Medienkunst und wird damit international verbunden. Gleichzeitig wirkt sie auch nach innen, soll heißen in andere kulturelle Disziplinen inspirierend - Design beeinflusst Medienkunst beeinflusst Design - die Grenzen verschwimmen, nicht zuletzt wegen vieler persönlicher Verbindungen oder Personalunionen innerhalb der Disziplinen. Interface Design tut sich als wichtige Facette des Designs in Linz hervor, eine Inspirationsquelle, mit beeinflussenden Elementen ins Industrial Design.
Ohnehin hat Linz aus gestalterischer Sicht eine ganz eigenständige Position: Linz und seine Gestalter tun gut daran ihr Selbstverständnis an der Industriestadt zu orientieren. Design by Linz versteht sich als klare Formensprache, geradlinig, funktional, schnörkelfrei – wie es in den jüngsten architektonischen Werken zum Ausdruck kommt. Ob Lentos, Ostflügel des Schlosses, Oper oder AEC, die aktuelle Architektur in Linz zeigt sich formal reduziert, höchstens eine technische Verspieltheit in Lichteffekten könnte man ihr nachsagen. Aber gute Architektur alleine ist noch nicht alles: im Schnittfeld zwischen Architektur und Design gibt es noch viel urbanes Brachland das nach Gestaltung verlangt, im öffentlichen Raum können Designer wertvollen gestalterischen Input liefern, sie sind aufgefordert sich diesen Bereich für ihre Arbeit zu erobern. Wieder ein Grund mehr warum sich das Designforum Linz formiert hat: es stellt die Forderung auf, die Stimmen der Designer für die Gestaltung des öffentlichen Raums zu hören und in entsprechende Prozesse zu integrieren. Denn das diesbezügliche Potential der Linzer Designszene wird für die Stadtentwicklung noch nicht wirklich genutzt.
Dabei wird Kreativität im Wettstreit der Städte um den Rang der Second City zunehmend zu einem Schlüsselfaktor. Um als Kreativstadt wahrgenommen zu werden, bedarf es einer strategischen Fokussierung im kulturell-kreativen Sektor auf jene Themen, über die man wahrgenommen werden will und bei denen man klare Stärken vorzuweisen hat. Gelingt es einer Stadt ein kreatives Milieu zu etablieren wird es zunehmend interessant für Kreative sich dort nieder zu lassen – Kreative ziehen Kreative an. Die Wiener Stadtpolitik setzt seit längerem Maßnahmen um sich als die führende Designstadt zu positionieren, auch Graz fokussiert zunehmend seine Aktivitäten – doch noch ist das Rennen offen.
Für Linz bietet sich im Zuge einer notwendigen Schwerpunktsetzung und der Bündelung regionalpolitischer Maßnahmen auf ausgewählte Themen (Industrial) Design aufgrund des hohes Potential für die Regionalentwicklung besonders an (neben der hybrid bildenden Kunst mit dem Aushängeschild Ars Electronica). *
Sigrid Prammer
Der Erfolg eines Wirtschaftsraumes wird zukünftig im wesentlichen Maße davon abhängen wie das kreative Potential der Region genutzt werden kann. Im Standortwettbewerb tritt vermehrt der Kampf um die kreativen Köpfe in den Vordergrund, d.h. um Individuen, die durch ihre Art quer zu denken die Fähigkeit besitzen radikale Innovationen hervor zu bringen. Diese Fähigkeit - und die dazugehörigen Methoden und Prozesse - sind das tägliche Brot der Designer.
Die Wirtschaft, die durch die weltweite Krise auf der Suche nach neuen Wegen ist, setzt bereits auf diesen Trend: Methoden und Haltungen aus kreativen Berufen finden Einzug im Management, ökonomisch-technische Funktionalität wird erweitert durch das emotionale Erlebnis. So wie sich der Charakter der Waren verändert hat – Produkte werden nicht mehr vorwiegend wegen ihrer Funktion gekauft sondern wegen der Erfahrungen, die man damit machen kann – so verändern sich auch Führungsmethoden: Manager kooperieren mit Designern um von ihrer Denkweise, ihrer Haltung und ihren Methoden zu lernen. Organisation- und Personalentwickler nehmen Anleihen bei Designern um ihren Innovationsteams neuen Input zu bieten: letztlich geht es aber um die Balance zwischen technischer Funktion, finanziellem Gewinn und der emotionalen Wirkung nach innen und nach außen. Die jahrzehntelange Erfahrung der regionalen Designer in der Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen in Oberösterreich und über die nationalen Grenzen hinaus bietet hier eine einmalige Chance.
Die Vision des Designforum Linz ist, dass möglichst viele dieser Potentiale genutzt werden und in weiteren dreißig Jahren der Blick zurück Design als eine fixe Größe der Stadtentwicklung zeigt. Sowohl die Regionalpolitik als auch die örtlichen Designer sind aufgefordert diese Chancen wahrzunehmen und das Potential für Linz zu heben.
Sigrid Prammer
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