Thomas Feichtner

Projekte

TABLE CHAIR - NEUE WIENER WERKSTÄTTEN, 2006

Ein Möbel im Sinne einer Black Box.

Wie der Name schon vermuten lässt, ist der Table Chair ein hybrides Möbel zwischen einem Tisch und einem Stuhl. Der Tisch fungiert wohl die meiste Zeit als Beistelltisch, doch sollte es an einer Sitzgelegenheit fehlen, wird er zu einem Notsessel. Es ist ein bisschen so wie in einem Londoner Taxi: Meistens ist man der einzige Fahrgast und sitzt auf der Rückbank. Doch fährt man in der Gruppe, ist man auch über den kleinen Klappsessel froh. Thomas Feichtner entwarf dieses Möbel im Sinne einer Black Box. Ein Körper, der von außen nichts über sein Inneres oder seine Funktion erahnen lässt. Öffnet man den schwarzen Baukörper, überrascht das strahlende weiße Leder. Im Kontrast zum schlichten geschlossenen Quader ist der Sessel aus einzelnen kristallinen Flächen zusammengesetzt. Sitzmulde und Lehne sind gegengleich. Beim Sitzen unterstützen sie komfortabel Gesäß und Rücken; schließt man den Stuhl, greifen sie Platz sparend ineinander. Eine mechanische Sperre verhindert ein plötzliches Zufallen der Lehne, um jeder Verletzungsgefahr vorzubeugen. Der Chromfuß hat dieselbe Grundfläche wie die Tischplatte. Er reflektiert die Umwelt wie ein Spiegel und gleicht sich ihr an. Dadurch wirkt der monolithische Grundkörper dennoch freitragend. Der Table Chair wird von der Neuen Wiener Werkstätte in Serie produziert.

Tablechair

 

 

FX 10 LOUNGECHAIR - NEUE WIENER WERKSTÄTTEN, 2006

Jede Fläche wird – ähnlich den Eisblöcken eines Iglus – zu einem Ganzen zusammengesetzt.

In der Absicht, einen Sessel mit einer geschlossenen und kompakten Form frei von Nähten zu schaffen, entwarf Thomas Feichtner den FX10 Loungechair. Der abstrakte Name FX10 ist eigentlich die Produktbezeichnung einer Skibindung, die Thomas Feichtner zuvor für den österreichischen Skihersteller Fischer entworfen hatte. Aus der starken Ähnlichkeit der formalen Zugänge beider Entwürfe und als eine kleine Reminiszenz an die zahlreichen Skier und Skibindungen, die Thomas Feichtner entworfen hat, trägt der Sessel heute denselben Produktnamen wie seine Skibindung.

Der FX10 Loungechair besteht aus einzelnen Flächen, die separat voneinander gepolstert und mit Leder bespannt wurden. Durch das Wegfallen der sonst üblichen Nähte und zeitaufwändigen Näherei ist der Loungechair schnell produziert und bei Beschädigungen durch einfaches Austauschen einer Fläche leicht zu reparieren. Formal gesehen ist der FX10 Loungechair aus einem Quader heraus entstanden. Leicht versetzt vom Grundkörper, markiert eine umlaufende Kante die Grenze zwischen dem einfachen Korpus und der komplexeren Sitzschale. Beinahe wie gespiegelt sind Draufsicht und Vorderansicht des Möbels. Die Sitzfläche verjüngt sich zu Lehne hin, die sich aufwärts gegengleich öffnet. Von der Sitzfläche abwärts ist noch eine kleinere Fläche zur Auflage der Beine. Formaler Schlussstein sind zwei kleine Dreiecke, die einzigen Flächen mit drei Ankerpunkten, welche die Form der Sitzschale und die des Grundkörpers miteinander verbinden. Die Konstruktion aus Flächen, Punkten und Linien folgt keinem übergeordneten oder gar mathematischen Prinzip. Alle Flächen sind formal frei ausbalanciert und deren Eckpunkte spannungsreich gesetzt. Thomas Feichtner achtete dabei besonders auf den geschlossenen Körper und skulpturalen Charakter, der dadurch entstand. Der FX10 Loungechair wird von der Neuen Wiener Werkstätte in Serie hergestellt und weltweit vertrieben. Ziel der Neuen Wiener Werkstätte ist es, durch zeitgenössisches österreichisches Design an die Erfolge der traditionellen Wiener Werkstätten anzuschließen.

FX 10 LOUNGECHAIR

 

RESET - STAMM, 2009

Die Verschiebung des Schwerpunktes.

Das Wiener Traditionsunternehmen Stamm & Strobel, gegründet 1859, fertigte Dekorationsgegenstände aus unterschiedlichsten Materialien und erwarb vor allem in der Herstellung von Kunstblumen und Hutfedern großes Ansehen. Stamm definiert sich als Verleger für junges und
zeitgenössisches österreichisches Design in Kombination mit traditionellem Handwerk. Im Mittelpunkt steht das Thema Tafelkultur mit materialübergreifenden Kollektionen und Accessoires aus Silber,
Kristall und Porzellan. Dass sich zeitgenössisches Design und manufakturielle Herstellung außergewöhnlich ergänzt, zeigt sich in dem neuesten Projekt mit Thomas Feichtner und dem Tafelservice „Reset“. Der österreichische Designer verzichtete bei seinem Entwurf auf die klassischen Merkmale eines Tafelgeschirrs. Alle Gefäße, ob Teller, Schalen oder Gläser verjüngen sich nach unten und wirken dadurch fast leichtfüßig. Trotz kleinerer Standfläche ist die Statik nicht weniger stabil als die eines üblichen Gefäßes in vergleichbarer Höhe. Alleine durch die Verschiebung des Schwerpunktes zum Boden hin bekommt jedes Teil die nötige Stabilität. Ein bewusster Bruch Thomas Feichtners mit der obligaten Semantik. Ein Bruch, der in der Architektur eine lange Tradition hat, im Design jedoch im Allgemeinen noch immer als falsch angesehen wird. Ebenso einzigartig ist die Verwendung gleicher Formen in den unterschiedlichen Materialien wie Silber, Kristall und Porzellan. „Reset“ ist ein Tafelservice das sich somit frei kombinieren lässt und dennoch einen formalen Zusammenhalt schafft. Der Name „Reset“ wurde für diese Kollektion bewusst, als ein Zeichen des Neubeginns der Marke Stamm gewählt.

Reset

Thomas Feichtner

Thomas Feichtner

Thomas Feichtner

Tegetthoffstraße 44, A-4020 Linz, Austria
T: +43 676 3433 044
e: thomas(at)feichtner(dot)at
www.thomasfeichtner.com

 

 

LINZ HOCKER - LANDESGALERIE LINZ / HAIDLMAIR GMBH / LINZ09 GMBH / VITRA GMBH, 2009

Im Spannungsfeld zwischen experimenteller Gestaltung und Industrial Design.

Laut der Eröffnungsansprache des amerikanischen Designers Raymond Loewy war Linz für hundert Tage das weltweite Epizentrum des Designs. Was nach einer leichten Übertreibung klang, hat kurz darauf in die internationale Designgeschichte Eingang gefunden.1980 zeigten die Ausstellung und das Symposium “Forum Design“ zeitgenössische Produktgestaltung in einem Spannungsfeld zwischen Kunst und Industrie. Es blieb bis heute die wichtigste österreichische Schau an Design schlechthin. Initiator Helmuth Gsöllpointner, Professor em. für Metall und Design an der Kunsthochschule Linz, organisierte eine Begegnung unterschiedlichster Positionen und der brisantesten Designer dieser Zeit und löste damit eine bis heute andauernde Diskussion um die Wertigkeit des Designs aus. Entgegen dem internationalen Erfolg dieser Ausstellung wurde über das Ereignis in den regionalen Medien mit Missgunst polemisiert und sie wurde schließlich zu einem finanziellen Misserfolg. Das unrühmliche Ende des Forum Design Linz wurde bis heute nicht aufgearbeitet und neu thematisiert. Anlässlich von Linz 2009, der Europäischen Kulturhauptstadt Europas, zeigt die Landesgalerie Linz die wertungsfreie, dokumentarische Ausstellung “Der Fall Forum Design“. So wird nicht nur die designgeschichtliche Relevanz des Forum Design von 1980 thematisiert, sondern vor allem die unmittelbaren Auswirkungen auf die Organisatoren des Forums und die Stadtentwicklung dokumentiert. Die Ausstellung ist somit vielleicht auch mehr wie ein Aufbruch als wie ein Schlussstrich zu verstehen und gibt zeitgenössischem Design aus Linz neue Motivation. Losgelöst von der eigentlichen Ausstellung, am Ende des Rundgangs in den Räumlichkeiten der Landesgalerie, zeigt der Linzer Designer Thomas Feichtner eine Arbeit, die ebenso im Spannungsfeld zwischen experimenteller Gestaltung und Industrial Design steht.

Grundgedanke der aus mehr als tausend Hockern bestehenden Installation ist es nicht, den Museumsraum zu bespielen, sondern aus diesem heraus zu senden. Die temporäre Installation wird nicht als ein geschlossenes Werk bestehen bleiben, sondern in seine Teile – die einzelnen Hocker – zerlegt werden. Schon zur Eröffnung der Ausstellung „Der Fall Forum Design“ können die Besucher einen Hocker mit sich nehmen und mit der Demontage der Installation beginnen. Was übrig bleibt, ist ein Stück zeitgenössisches Design in zahlreichen Linzer Haushalten. Dabei geht es nicht um die Geste des Schenkens, sondern um den Gedanken der künstlichen und nachhaltigen Demokratisierung von Design, projiziert auf eine Stadt wie Linz. Es ist ein Versuch, den Besucher als Verteiler zu verwenden, unterstützt durch das Aussetzen aller Marktmechanismen, welchen üblicherweise ein Produkt unterliegt. Bestandteil des Konzeptes ist es, dass dieses Produkt im Laufe der Jahre ein Linzer Unikum werden könnte: Hocker tauchen immer wieder in Wohnungen, Werkstätten oder Ateliers auf. Manche wechseln nach Jahren am Linzer Flohmarkt ihren Besitzer. Der Linzer Hocker soll im Laufe der Zeit nicht nur in Linz zirkulieren, sondern auch als ein Botschafter für Design aus Linz werden.

Über den Gedanken der Installation hinaus, ist der Linzer Hocker in sich ein schlüssiger Designträger. Ein Hocker ist das elementarste Möbel. Seine Funktion ist seit jeher geklärt und über die Jahrtausende nahezu unverändert. Ein Hocker unterscheidet sich vielfach in Form und kulturellem Ursprung, selten jedoch in seiner Funktion. Ein Hocker ist der Archetyp des Designs schlechthin.

Der Linzer Hocker macht den Eindruck, als wäre er gefaltet. Sitzfläche sowie Beine des Hockers sind aus gleich starken Flächen zueinander konstruiert. Dabei hat jede einzelne Fläche eine statische Funktion. Dies ermöglicht mit geringem Materialaufwand den dreibeinigen Hocker zu stabilisieren. Dem konstruktiven und statischen Gedanken liegt die formale Gestaltung zugrunde. Dabei folgt der Linzer Hocker nicht den semantischen Grundsätzen der allgemeinen Designlehre, sondern lässt die klassischen Designgedanken wie Funktionalismus und Minimalismus ganz bewusst außer Acht. Viel wichtiger war es, den einfachen Gegenstand mit einer eigenständigen Identität zu verbinden.

Produzent des Linzer Hockers ist der oberösterreichische Hersteller für Getränkekästen aus recyceltem Kunststoff, die Firma Haidlmair. Sie ist ebenso Werkstatt zahlreicher Skulpturen von Helmuth Gsöllpointner und wurde, dankenswerterweise durch ihn vermittelt, ein wichtiger Unterstützer des Projekts. Ebenfalls unterstützt der renommierte Möbelhersteller Vitra das Projekt mit der Verbreitung des Hockers in weiteren Städten und Museen Österreichs. Der Hocker bleibt fortwährend ein Stück der Kulturhauptstadt Linz, der Ausstellung „Der Fall Forum Design“ und des Designherbstes „Designland“ 2009.

LINZ HOCKER
verlauf